Die Pazifikregion Cauca gehört zu den abgelegensten Regionen Kolumbiens. Die Bezirke Guapi, Timbiquí und López de Micay sind geprägt von tropischem Regenwald, verzweigten Flusssystemen in dichten Mangrovenwäldern und einer überwiegend afrokolumbianischen Bevölkerung, die seit Generationen eng mit ihrem Territorium, ihren Traditionen und ihrer Gemeinschaft verbunden lebt. Gleichzeitig gehört die Region zu den am stärksten vernachlässigten Gebieten des Landes: Der Staat ist kaum präsent, die Infrastruktur ist schwach, die Stromversorgung mangelhaft. Viele Gemeinden sind nur per Boot erreichbar. Fehlender Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung sowie Bildung prägen den Alltag vieler Familien.
Hinzu kommt die schwierige politische und humanitäre Lage. Seit Jahrzehnten leiden die Gemeinden unter den Auswirkungen des bewaffneten Konflikts in Kolumbien. Verschiedene bewaffnete Gruppen kämpfen in der Pazifikregion um Kontrolle über Territorien, Flüsse und illegale Wirtschaftsstrukturen. Immer wieder kommt es zu Vertreibungen, Bedrohungen, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und Menschenrechtsverletzungen. Besonders betroffen sind die afrokolumbianischen Gemeinschaften entlang der Flüsse und Küstengebiete. Trotz des Friedensabkommens, das 2016 zwischen der damaligen Guerrillagruppe FARC-EP und der kolumbianischen Regierung geschlossen wurde, bleibt die Situation angespannt.
In diesem schwierigen Kontext arbeitet die Organisation COCOCAUCA (Coordinación de Consejos Comunitarios y Organizaciones de Base del Pueblo Negro de la Costa Pacífica del Cauca). COCOCAUCA ist ein Zusammenschluss von Gemeinschaftsräten und Basisorganisationen der afrokolumbianischen Bevölkerung der Bezirke Guapi, Timbiquí und López de Micay. Die Organisation setzt sich für die Rechte der Schwarzen Gemeinden, den Schutz ihrer Territorien, die Bewahrung ihrer Kultur sowie für Frieden, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit ein.
Die Arbeit von COCOCAUCA ist vielfältig: Sie begleitet Gemeinden beim Erhalt ihrer Lebensräume, organisiert Bildungs- und Gemeinwesenarbeit, unterstützt lokale Selbstverwaltung und stärkt die Beteiligung von Frauen, Jugendlichen und traditionellen Autoritäten. Gleichzeitig dokumentiert die Organisation Menschenrechtsverletzungen und macht national und international auf die Situation in der Region aufmerksam. Besonders wichtig ist dabei die Stärkung gemeinschaftlicher Strukturen und der Zusammenhalt der Gemeinden, damit diese trotz Gewalt, Vertreibung und wirtschaftlicher Not in ihren Territorien bleiben können.
Seit 2016 unterstützt action pro colombia die Arbeit von COCOCAUCA mit Spenden. Die Unterstützung trägt dazu bei, gemeinschaftliche Prozesse in der Pazifikregion Cauca aufrechtzuerhalten und die afrokolumbianischen Gemeinden in ihrem Einsatz für Menschenrechte, Frieden, territoriale Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit zu stärken. Darüber hinaus konnten durch die Unterstützung von Action pro Colombia auch konkrete Nothilfemaßnahmen nach Naturkatastrophen und Bränden sowie Projekte zur Stärkung der Organisations-Infrastruktur unterstützt werden.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Unterstützung ist die Förderung der Internetseite und der Kommunikationsarbeit von COCOCAUCA. Diese trägt dazu bei, die Pazifikregion Cauca sichtbarer zu machen – eine Region, die in den nationalen Medien oftmals kaum vorkommt; wenn doch über die Region berichtet wird, sind die Informationen häufig verkürzt oder verzerrt dargestellt. Über die Kommunikationskanäle von COCOCAUCA werden daher Berichte zur Menschenrechtslage veröffentlicht, aktuelle Entwicklungen dokumentiert und die Aktivitäten der Organisation und der Gemeinden aus ihrer eigenen Perspektive sichtbar gemacht.
Die Zusammenarbeit action pro colombias mit COCOCAUCA zeigt, wie wichtig internationale Solidarität für abgelegene Regionen wie die Pazifikküste Cauca ist. Trotz schwieriger Bedingungen engagieren sich die Gemeinden weiterhin für Frieden in ihren Territorien, kulturelle Identität und ein Leben in Würde.